Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
der walisische Elektroingenieur Sir William Preece (1834–1913) gehörte zu den klügsten Köpfen seiner Zeit. Als Chefingenieur des britischen General Post Office war er beispielsweise maßgeblich an der Entwicklung der drahtlosen Telegrafie beteiligt. Leider hat Preece sein Andenken mit nur einem einzigen Satz einigermaßen ruiniert. So soll er gesagt haben: »Die Amerikaner brauchen das Telefon, wir aber nicht. Wir haben genug Laufburschen.«
Preeces These sollte sich als falsch erweisen; lehrreich ist sie dennoch: Wenn es nämlich selbst einem Pionier wie ihm schwerfiel, die Tragweite technologischer Innovation korrekt einzuschätzen, dann kann dieser Fehler uns allen unterlaufen. Kein Wunder: Die Gegenwart beeinflusst nun mal unseren Blick auf das, was kommt, massiv. Man spricht in diesem Kontext auch vom »Status-quo-Bias«.
Auch wir am Fraunhofer IAO erforschen Technologien, deren künftige Wirkmacht heute schwer vorstellbar ist. In ein paar Jahren aber werden sie längst alltäglich sein. Dazu gehören neuroadaptive Technologien, die mein Kollege Dr. Mathias Vukelić mit seinem Team ergründet, um die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine neu zu denken. Und dazu gehört mein eigener Schwerpunkt, das Quantencomputing – eine revolutionäre Art des Rechnens.
In dieser »FORWARD-Ausgabe geht es zum einen um die Frage, wie Unternehmen sich in diesen Bereichen schon heute eine Vorreiterrolle erarbeiten können. Zudem finden Sie in diesem Heft eine ganze Reihe weiterer Projekte, an denen wir gemeinsam mit Partnerinstitutionen arbeiten, um die digitale und nachhaltige Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft voranzubringen. Denn die Zukunft kommt nicht über Nacht. Sie ist das Ergebnis geduldiger Forschungsarbeit. Das galt übrigens auch für den Siegeszug des Telefons.