KI-Expertise
Der Innovationsdruck rund um das Thema Künstliche Intelligenz ist enorm. Neue Ideen entstehen aber nicht im Alleingang – es braucht Austausch, Nähe und starke Partner. Dort setzen die Fraunhofer HNFIZ an. Prof. Dr. Wilhelm Bauer, Institutsleiter des Fraunhofer IAO und Sprecherkreisvorsitzender der Fraunhofer HNFIZ, erklärt im Interview, was das Netzwerk so besonders macht.
Herr Professor Bauer, in einem Satz beschrieben: Was sind die Fraunhofer HNFIZ?
Bei den Fraunhofer Heilbronn Forschungs- und Innovationzentren – kurz: Fraunhofer HNFIZ – handelt es sich um ein neuartiges Netzwerk, in dem sich Arbeitsgruppen aus verschiedenen Fraunhofer-Instituten mit Formen von Technologie und Wertschöpfung rund um das Megathema Künstliche Intelligenz (KI) beschäftigen und anwendungsorientiert dazu forschen.
Was ist das Neue und Besondere daran?
Bei Fraunhofer war es der klassische Weg, für neue Themen neue Institute zu gründen. In Heilbronn sind wir einen anderen, zeitgemäßeren Weg gegangen: Wir bündelten KI-bezogene Kompetenzen von etablierten Instituten mit der hohen Dynamik des Innovationsstandorts Heilbronn. Neu und besonders ist die enge Vernetzung der Arbeitsgruppen vor Ort. Wir haben neun Zentren, die an acht Mutterinstitute angedockt sind. Alle diese Zentren sind am Bildungscampus in Heilbronn angesiedelt. Daher agieren sie als ein gemeinsames Netzwerk. In dieser Dichte und Intensität ist das Konstrukt eine echte Innovation für Fraunhofer.
Welchen Vorteil hat das? Was ist die Vision?
Wir versprechen uns besondere Innovationsimpulse für Wirtschaft und Gesellschaft sowie spannende Forschungsergebnisse. Hinter alldem steht die Idee, in Heilbronn mithilfe der Dieter Schwarz Stiftung (DSS) ein einzigartiges Bildungs-, Forschungs- und Innovationsökosystem rund um das Thema KI aufzubauen. Das gibt es so nicht noch einmal auf der Welt. Die Stiftung kooperiert mit Top-Institutionen wie Fraunhofer, der TU München, der ETH Zürich und anderen Zentren weltweit, etwa der Stanford University, dem MIT und anderen. In Heilbronn entsteht etwas Großartiges! Und wir als Fraunhofer sind als ein starker Partner mit dabei.
Mit Unternehmen aus welchen Branchen arbeiten die Fraunhofer HNFIZ vorwiegend zusammen?
Wir adressieren vor allem Branchen, die in Baden-Württemberg stark sind, etwa den Maschinenbau oder den Fahrzeugbau. Daneben arbeiten wir viel mit Dienstleistungsunternehmen zusammen, darunter Finanzdienstleistung, IT- und Digitalunternehmen sowie dem Handel. Diese Branchen boomen in Deutschland und sind wichtige Kunden für Fraunhofer. Stark im Kommen ist zudem die Robotik und autonome Logistik.
Mit welchen Unternehmen arbeiten Sie hier zusammen? Können Sie Beispiele nennen?
Entscheidend ist für uns, dass wir spannende Herausforderungen angehen und innovative Ideen umsetzen können. Das Spektrum reicht von Großunternehmen wie Audi, mit denen wir und der TUM Campus Heilbronn im Bereich der digitalen Transformation von Fabriken kooperieren, bis hin zu kleineren Unternehmen wie dem Heilbronner Innenstadthändler Krauss Elektronik, dem wir im Rahmen eines öffentlich geförderten Projekts geholfen haben, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln.
2026 kam mit dem »Chip AI« ein neues FIZ dazu. Was ist seine Aufgabe?
Je anspruchsvoller die Aufgaben werden, die KI-Anwendungen lösen sollen, desto höher sind die Anforderungen an die zugrundeliegenden KI-Chips. Hier setzt das neue Zentrum an: Es entwickelt Chip-Designs, die auf engstem Raum sehr hohe Rechenleistung mit möglichst geringem Energieverbrauch verbinden. Dabei geht es nicht nur um Chips für KI, sondern auch um deren Entwicklung mit KI – um die Designs noch intelligenter und effizienter zu machen.
Wie geht es weiter mit den Fraunhofer HNFIZ?
Unser Ziel ist es, bis 2030 mindestens 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Fraunhofer HNFIZ aufzubauen. Wir haben den Anspruch, in dieser Region eine bedeutsame Anlaufstelle für die Wirtschaft rund um das Thema KI zu werden, die aus der Region in die Welt hinaus wirksam ist.
Wie können interessierte Unternehmen mit Ihnen in Kontakt treten?
Am besten über unsere Website. Dort findet man die Ansprechpersonen der einzelnen Forschungs- und Innovationszentren. Ansonsten hilft unsere Geschäftsstelle Interessierten gern dabei, die für sie richtigen Stellen zu erreichen. Daneben organisieren wir Veranstaltungen, zu denen wir Unternehmen einladen. Ein Besuch lohnt sich, auch ohne ein spezifisches Problem oder konkrete Ideen zu haben. Aus Impulsen oder zufälligen Gesprächen können ebenfalls Ideen für Innovationen entstehen.
Sprechen Sie mit Ihrem Angebot vorwiegend Unternehmen in der Region an?
Ja, aber nicht nur. Man kann sich das wie konzentrische Kreise vorstellen: Die DSS wünscht sich von uns, dass wir uns intensiv um die Region Heilbronn-Franken kümmern. Aber gleich danach kommen ganz Baden-Württemberg, dann Deutschland, Europa und die Welt. Das ist unser Verständnis. Die Mission heißt: Von Heilbronn in die Welt.
Insgesamt neun Fraunhofer Heilbronn Forschungs- und Innovationszentren sind in den vergangenen Jahren auf dem Bildungscampus der Dieter Schwarz Stiftung entstanden. Die einzelnen Zentren und ihre jeweiligen Mutterinstitute auf einen Blick.