Mit der eIDAS-2.0-Verordnung führt die Europäische Union ab 2027 die EUDI-Wallet als verpflichtendes Identifizierungsmittel für Bürgerinnen und Bürger ein. Für rund 11 000 deutsche Kommunen bedeutet das einen tiefgreifenden Wandel: von der Bürgeridentifizierung über die Ausstellung digitaler Nachweise bis hin zu medienbruchfreien Verwaltungsprozessen.
Der Countdown läuft – Kommunen stehen vor großen Herausforderungen
»Der Zeitplan ist ambitioniert, die Standards sind teils erst seit Kurzem final, und viele Kommunen sind noch komplett ahnungslos«, fasst Michael Kubach, Wissenschaftler am Fraunhofer IAO, die Lage zusammen. Besonders kleinere Kommunen ohne eigene IT-Kapazitäten stehen vor der Herausforderung, komplexe technische Anforderungen mit knappen Ressourcen zu bewältigen. Auch kommunale Unternehmen wie Stadtwerke, Verkehrsbetriebe und Kliniken sind mittelfristig verpflichtet, die EUDI-Wallet zu akzeptieren.
Quick-Win: Anbindung an BundID als zentraler Schritt
Doch es gibt auch gute Nachrichten: Kommunen, die bereits an die BundID angebunden sind, erfüllen die zentrale Pflicht zur Identifizierung nahezu automatisch – die Wallet wird dort als weiteres Identifizierungsmittel integriert. »Viele Kommunen sind weiter, als sie glauben. Entscheidend ist, den eigenen Reifegrad realistisch einzuschätzen und die richtigen Prioritäten zu setzen«, sagt Kubach. Dresden zeigt als Pilotkommune, dass die Umsetzung in der Praxis funktioniert und liefert wertvolle Blaupausen für andere. Dort wurde bereits die weitergehende Anbindung realisiert, so dass Nachweise wie der Dresden-Pass digitalisiert werden konnten und ein Reallabor zur Bürgerbeteiligung wurde eingerichtet.
Mehr als ein IT-Projekt: Transformation der Verwaltung
Die Einführung der EUDI-Wallet ist kein reines IT-Projekt. Sie betrifft Fachverfahrensintegration, Registermodernisierung, Governance, Datenschutz und die Akzeptanz bei Bürgerinnen und Bürgern. Das Fraunhofer IAO unterstützt Kommunen mit dem »EUDI-Wallet Readiness Navigator« – einer systematischen Analyse von regulatorischen Anforderungen, Umsetzungsoptionen und Reifegrad, die in konkrete Handlungsschritte übersetzt wird. Ziel ist es, Fehlinvestitionen zu vermeiden und Digitalisierungspotenziale zu heben.
Um Kommunen eine erste Orientierung zu geben, bietet das Fraunhofer IAO ab Ende September mehrere Online-Termine an. Das Webinar gibt Kommunen in 30 Minuten eine kompakte, praxisnahe Orientierung zur Einführung der EUDI-Wallet – von betroffenen Online-Diensten über technische Umsetzungswege bis zur realistischen Einschätzung des eigenen Handlungsbedarfs.