Sorbischer Innovationsmotor für die Lausitz

Fraunhofer IAO untersucht die Erfolgsfaktoren für Strukturwandel und gibt Handlungsempfehlungen

Beauftragt von der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH untersucht das CeRRI des Fraunhofer IAO mit dem Projekt »Innovation durch Tradition« die Potenziale der sorbischen Minderheit für die Gestaltung des Strukturwandels in der Region. Die Ergebnisse zeigen, dass das sorbische Volk hierfür nicht nur eine erfolgsentscheidende Schlüsselrolle einnimmt, sondern weitere Potenziale birgt.

Die Lausitz ist eine Region in Brandenburg und Sachsen. Sie umfasst das sorbisch-wendische Siedlungsgebiet und ist damit stark durch das Miteinander von Mehr- und Minderheiten geprägt. Um die Potenziale des westslawischen Volks der Sorben auf den Strukturwandel in der Region zu identifizieren, hat das Center for Responsible Research and Innovation (CeRRI) des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO seit August 2019 Ideen und Maßnahmen entwickelt. So hat das Forschungsteam im Dialog mit siebzig Vordenkerinnen und Vordenkern aus der Region untersucht, wie sorbische Traditionen und Werte für einen erfolgreichen Strukturwandel genutzt werden können. Dabei haben sich drei zentrale Innovationsrollen für das sorbische Volk herauskristallisiert: Es vernetzt die Lausitz, bildet einen identitätsstiftenden Anker und baut Brücken. Zu jedem dieser Attribute wurden konkrete Handlungsansätze erarbeitet mit dem Ziel, diese zu stärken und gezielt für den Strukturwandel zu nutzen. Außerdem hat das Projektteam Empfehlungen für Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft erarbeitet, wie sorbische Traditionen und Werte als Innovationsmotor genutzt werden können. Alle Ergebnisse sind im Abschlussbericht »Innovation durch Tradition. Das sorbische Potential für den Strukturwandel in der Lausitz nutzen« zu finden, der im August 2020 veröffentlicht wurde.

Aufbau einer Gründungs- und Start-up-Szene

Das sorbische Volk hat das Potenzial, sowohl den Tourismus als auch die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Lausitz zu stärken und somit positiv zur Regionalentwicklung beizutragen. Denn es zeichnet sich insbesondere durch eine hohe Expertise u.a. in den Bereichen Sprache, Musik, Handwerk und Textil aus, die für die Entwicklung von Innovationen genutzt werden können. »Dafür braucht es enge Kooperationen mit sorbischen Einrichtungen, zum Beispiel im Bereich Gründungsförderung oder Technologietransfer sowie im Kultur- und Kreativsektor«, erklärt Simone Kaiser, stellvertretende Leiterin des CeRRI am Fraunhofer IAO. Dafür schlägt das Projektteam neuartige sorbisch-lausitzer Innovationsorte vor, an denen eine große sorbisch inspirierte Gründungs- und Start-up-Szene entstehen könnte, die das Kulturerbe für die Entwicklung neuer Produkte und Angebote nutzt.

Handlungsansätze für Betreibermodelle: Ideenbörsen, Kreativwerkstätten und Diskussionsplattformen

Bis zum Projektabschluss Ende Oktober werden erste Handlungsansätze mit konkreten Betreibermodellen untersetzt, beispielsweise für eine »Spinte 2.0«. Sie bietet einen Raum für informellen Austausch und fungiert als Ideenbörse und offene Werkstatt für sorbische und nicht-sorbische Macherinnen und Macher. Zu den weiteren konkreten Handlungsansätzen gehört die Entwicklung einer lausitzweiten Diskussionsplattform für Regionalentwicklung sowie der App »Erlebnis Lausitz«. Letzteres ermöglicht es, die Geschichte, Kultur und Traditionen der Lausitz aus sorbischer Perspektive virtuell per Smartphone zu entdecken.

Heiko Jahn, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Lausitz GmbH: »Die Studie zeigt, wie wertvoll das sorbische Potenzial für die Lausitz ist. Nicht nur für Kultur und Tourismus, sondern auch bei Regionalentwicklung, Wirtschaftsförderung und Fachkräftesicherung«. Die Projektergebnisse von »Innovation durch Tradition« fließen in die Erarbeitung der »Entwicklungsstrategie Lausitz 2050« mit ein, die im Oktober vorgestellt wird.