Wie Wasserstoff wirken kann

Wie Wasserstoff wirken kann
© elenabs – iStock, Fraunhofer IAO

 

Projekt »H2-Innovationslabor« erforscht Potenziale der Wasserstoffwirtschaft für Heilbronn-Franken

Welche Potenziale bietet die Wasserstoffwirtschaft in der Region Heilbronn-Franken? Im Projekt H2-Innovationslabor in Heilbronn gehen die TU München, die Hochschule Heilbronn, das Ferdinand-Steinbeis-Institut und das Team KODIS des Fraunhofer IAO gemeinsam dieser Frage nach.

Ob als Treibstoff für Fahrzeuge, für die Wärmeversorgung oder als Reduktionsmittel in der Stahlproduktion: Wasserstoff hat das Potenzial, eine Schlüsselrolle bei der Erreichung der weltweiten Klimaschutzziele zu spielen. Um die signifikanten Wertschöpfungspotenziale am Standort Deutschland zu halten oder auszubauen, müssen Wasserstofftechnologien intensiver erforscht und genutzt werden. Eine Wasserstoff-Infrastruktur aufzubauen und zu betreiben erfordert den Aufbau eines ganzheitlichen Ökosystems, in dem alle relevanten Akteure miteinander vernetzt sind, und eröffnet ein neues Spektrum für hochwertige unternehmensbezogene Dienstleistungen. Um dieses Potenzial zu erheben und eine Grundlage für die Umsetzung zu schaffen, hat sich mit dem »H2-Innovationslabor Heilbronn-Franken« auf dem Bildungscampus in Heilbronn ein Forschungskonsortium zusammengefunden. Dazu gehören die Technische Universität München, die Hochschule Heilbronn, das Ferdinand-Steinbeis-Institut sowie das Forschungs- und Innovationszentrum Kognitive Dienstleistungssysteme KODIS des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO. Initiiert und gefördert wird das Vorhaben durch die Dieter Schwarz Stiftung sowie der Pakt Zukunft Heilbronn-Franken gGmbH.

Ausgeprägtes Logistiknetzwerk bietet Standortvorteile für Gesamtökosystem

Ziel des Projekts ist es, eine Pilotregion aufzubauen, welche unter anderem durch die Bundesregierung im Zuge einer nationalen Wasserstoffstrategie für die Entwicklung von Wasserstoffkonzepten gefördert wird. Die Region Heilbronn-Franken bietet optimale Voraussetzungen, um zukünftig zu einem wichtigen Standort der Wasserstoffwirtschaft zu werden. Ein großer Vorteil ist dabei das ausgeprägte Logistiknetzwerk, dem eine Vielzahl von Mittelständlern und einige große Unternehmen angehören. Daneben bietet die Region mit auf H2 spezialisierten Akteuren ein sehr geeignetes Umfeld für die Wasserstoffforschung – so betreibt das DLR-Institut für Raumfahrtantriebe in Lampoldshausen im Rahmen des Projekts H2ORIZON gemeinsam mit der ZEAG Energie AG bereits eigene Anlagen zur nachhaltigen Erzeugung von Wasserstoff und der Entwicklungsstandort der Audi AG in Neckarsulm ist in der Brennstoffzellenforschung aktiv.

Stakeholder-Gespräche und Ökosystemmodellierung als wichtige Schlüssel zum Erfolg

In Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik identifiziert das Forschungsteam des Fraunhofer IAO am Standort Heilbronn im Rahmen einer Stakeholder-Analyse die Key Player der Wasserstoffwirtschaft. »Die Expertengespräche und Analysen im Projekt helfen dabei, die verschiedenen Akteure in der Region näher kennenzulernen und das regionale H2-Netzwerk aufzubauen. So können sich regionale Projektkonsortien zukünftig schnell zusammenfinden und auf Ausschreibungen für Forschungs-, Entwicklungs- und sonstige Förderprogramme reagieren«, erklärt Dr. Bernd Bienzeisler, Projektleiter des Fraunhofer IAO. Parallel hierzu untersucht das Projektteam des Fraunhofer IAO den Status Quo der aktuellen Forschung sowie die Forschungslandschaft im Bereich der Wasserstoffwirtschaft.

Die ebenfalls am Bildungscampus ansässige TU München sowie das Ferdinand-Steinbeis-Institut und die Hochschule Heilbronn modellieren zunächst ein generisches H2-Ökoystem, welches auf die Region Heilbronn-Franken angewendet werden soll.

»Die Entwicklung einer Systematik, um Akteure und Stakeholder in einen Ökosystemkontext einzuordnen und damit die beiden Themenfelder unabhängig betrachten zu können, ist ein wesentlicher Baustein für aussagekräftige Gesamtergebnisse«, beschreibt Dr. Daniel Werth vom Ferdinand-Steinbeis-Institut das Vorgehen. Prof. Tobias Bernecker, der von Seiten der Hochschule Heilbronn das Vorhaben leitet, stimmt zu: »Unser ganzheitliches Vorgehen ermöglicht es uns, Lücken zu erkennen und diese systematisch zu schließen«.

Darauf basierend nimmt die TU München eine modellbasierte Zusammenführung von Akteurs-Konstellationen in der Wasserstoffregion Heilbronn-Franken vor. »Wir richten unseren Fokus besonders auf die Wertflüsse zwischen den Akteuren, um Veränderungsszenarios und potenzielle Ökosystemrisiken aufzeigen zu können«, erklärt Dr. Markus Böhm von der TU München. Als Ergebnis entsteht somit eine Modellierung des »Wasserstoff-Ökosystems Heilbronn-Franken«. Die Projektergebnisse sollen 2021 in Form einer Studie sowie im Rahmen eines regionalen Wasserstoff-Events am Bildungscampus Heilbronn veröffentlich werden.