Kooperative Mobilitätskonzepte im Ländlichen Raum

Kooperative Mobilitätskonzepte im Ländlichen Raum
© Iakov Kalinin – Adobe Stock

 

Fraunhofer IAO begleitet Pilotprojekte bei der Entwicklung und Umsetzung nachhaltiger Mobilitätskonzepte

Wie können auch kleinere Kommunen Anschluss an Mobilitätsangebote und -strukturen erhalten und lokale Unternehmen die Transformationspotenziale der Digitalisierung für sich nutzen? Das Land Baden-Württemberg fördert Projektideen für klimaschonende Mobilitätskonzepte für den Ländlichen Raum. Das Fraunhofer IAO ist mit der Begleitforschung beauftragt, unterstützt die Projekte bei der Umsetzung und leitet Handlungsempfehlungen ab.

Gerade der Ländliche Raum steht hinsichtlich der Mobilitätswende und dem sich wandelnden Nutzerverhalten vor großen Herausforderungen. Für die attraktive Ausgestaltung des ÖPNV-Angebots und die Bereitstellung einer bedarfsgerechten Ladeinfrastruktur sind in dünnbesiedelten Regionen passgenaue Lösungsansätze erforderlich. Häufig ergänzen dort bürgerschaftlich getragene Aktivitäten das mobile Angebot als Alternative zum eigenen Auto. Um bestehende oder neu zu schaffende Strukturen und mobile Dienste zu stärken, auszubauen und zu professionalisieren, hatte das baden-württembergische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau gemeinsam mit den Ministerien für Verkehr und dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz einen Ideenwettbewerb ausgerufen mit dem Titel »Kooperative Mobilitätskonzepte im Ländlichen Raum: Wie lassen sich bürgerschaftliche oder unternehmerische Sharing-Konzepte durch Autohäuser/-werkstätten/-händler professionell unterstützen?«. Ziel des Förderprogramms ist die Stärkung bestehender und die Förderung von künftigen Vereinsstrukturen sowie deren Kooperation mit professionellen Services, Geschäftsmodellen und Unternehmen vor Ort. Gleichzeitig sollen durch die Verbesserung der Erreichbarkeit die gesellschaftliche Teilhabe und der Zusammenhalt gefördert werden.

Das Land fördert sieben Projekte zur Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte im Ländlichen Raum mit insgesamt rund 1,7 Millionen Euro. Die Projekte werden während der gesamten Projektlaufzeit vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO wissenschaftlich begleitet. Das Forschungsteam unterstützt bei fachlichen Fragen, vernetzt die Projektkonsortien und analysiert die Auswirkungen und Einflussfaktoren für deren Umsetzung. Die Ergebnisse werden anschließend in einen Leitfaden überführt, um die Übertragung von erfolgreichen Ansätzen auf weitere Kommunen zu ermöglichen.

Kooperative Mobilitätskonzepte in nachhaltige Geschäftsmodelle überführen

In den Projektkonsortien werden kommunale Träger aus Baden-Württemberg zusammen mit lokalen Unternehmen aus dem Kfz-Bereich und teilweise unter Beteiligung von Vereinen und Forschungseinrichtungen ihre eingereichten Konzepte umsetzen. Die Projektideen umfassen Konzepte von Carsharing-Plattformen über ein Bürgerladenetz, Bürgerbusse für Jung und Alt bis hin zu Mobility Hubs an ÖPNV-Stationen. Alle Konzepte zeichnen sich durch neue Ansätze der Kooperation sowie eine umfassende und aktive Bürgerbeteiligung aus. Sonja Stöffler, Mobilitätsexpertin am Fraunhofer IAO, erklärt: »Nur, wenn die unterschiedlichen Akteure vor Ort zusammenarbeiten, können nachhaltige und innovative Geschäftsmodelle entstehen. Nur so können wir sicherstellen, dass alle einen Nutzen davon haben.«

Handlungsempfehlungen für die Übertragung von Lösungen

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer IAO beraten die Projektkonsortien zu fachlichen Fragen und erstellen aufbauend auf den Projekterkenntnissen einen Leitfaden als Blaupause für Kommunen, Mobilitätsanbieter, Kfz-Gewerbe sowie zivilgesellschaftliche Organisationen und bürgerschaftliche Gruppen. Dabei werden die Pilotprojekte hinsichtlich ihrer sozialen, ökologischen und ökonomischen Einbettung in die jeweilige Region untersucht. Gleichzeitig werden Herausforderungen und Barrieren in der Umsetzung der Projekte identifiziert, um relevante Rahmenbedingungen und entsprechende Handlungsempfehlungen abzuleiten. Hierzu hat das Expertenteam neben einer digitalen Auftaktveranstaltung mit allen Projektkonsortien auch Vor-Ort-Termine geplant, um mit lokalen Stakeholdern die jeweiligen spezifischen Fragestellungen zu bearbeiten. Bei vertiefenden Workshops sollen die Erkenntnisse zusammengeführt und diskutiert werden. Die geförderten Projekte sind Mitte Mai gestartet und haben eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2021.