Mit Daten nachhaltige Lösungen für städtischen Güterverkehr schaffen

Forschungsprojekt »MobiDig« Daten für urbane Lieferverkehre
© Alex Baumann - iStock/Fraunhofer IAO

 

Fraunhofer IAO erhebt und analysiert im Forschungs­projekt »MobiDig« Daten für urbane Lieferverkehre

Im Projekt »MobiDig« entwickelt und erprobt das Fraunhofer IAO eine Methodik zur Erhebung von urbanen Güterverkehren. In den Beispielstädten Aalen, Heidelberg und Stuttgart ermittelt das Forschungsteam Mobilitäts-, Prozess sowie stadträumliche Daten und wertet diese aus. Das Projekt zielt darauf ab, eine übertragbare Open Data-Lösung umzusetzen und Kommunen zu befähigen, auf Grundlage von Datenanalysen selbst nachhaltige Logistikkonzepte zu entwickeln.

Güterverkehr ist für die Versorgung von Städten unverzichtbar. Der zunehmende Güterverkehr in Kombination mit dem ebenfalls wachsenden Personenverkehr hat vor allem in Städten dazu geführt, dass die Belastungsgrenzen erreicht sind: Verstopfte Straßen verschlechtern die Erreichbarkeit von Innenstädten, gleichzeitig beeinträchtigen Lärm und Luftschadstoffe die Lebensqualität. Städte geraten daher zunehmend unter Druck, ihren Güterverkehr nachhaltiger zu organisieren. Hierfür benötigen sie jedoch eine Planungsgrundlage. Während in den Kommunen bereits umfassende Informationen zur Personenmobilität vorliegen, gibt es zum Güterverkehrsaufkommen kaum verlässliche Zahlen. »Um die Lebensqualität in den Städten zu erhöhen, braucht es an die lokalen Gegebenheiten angepasste Logistikkonzepte. Für die Umsetzung fehlt es auf kommunaler Seite bislang allerdings an einer ausreichenden Datengrundlage« so Dr. Bernd Bienzeisler, Standortleiter des im Mai gestarteten Forschungs- und Innovationszentrums Kognitive Dienstleistungssysteme KODIS in Heilbronn. Diese Lücke möchte das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO nun füllen: ein unter der Leitung von Dr. Bienzeisler stehendes Forschungsteam erarbeitet im Forschungsprojekt »MobiDig« in Zusammenarbeit mit drei Beispielstädten eine Datengrundlage für die Planung des urbanen Lieferverkehrs.

Verbesserung der Datengrundlage zum urbanen Güterverkehr

Ziel des Projekts ist es zum einen, die Datengrundlage im Bereich der Lieferverkehre auf der letzten Meile in den Innenstädten zu verbessern. Hierfür werden sowohl bestehende öffentlich zugängliche Daten, z.B. stadträumliche Informationen zu Umweltbelastungen verwendet, als auch weitere Datenquellen, wie kommerzielle Daten zur Personenmobilität, herangezogen. Außerdem erheben die Forschenden nicht verfügbare Daten - wie beispielsweise zu Warenarten und Transportwegen – selbst. Dabei kommen auch digitale Methoden der Datenerfassung zum Einsatz. Die im Rahmen des Projekts erhobenen Daten werden schließlich in aggregierter Form als offene Daten bereitgestellt.

Befähigung von Kommunen zur Planung und Bewertung von Logistikkonzepten

Zum anderen sollen Kommunen in die Lage gebracht werden, entsprechende Daten selbst zu erheben und auszuwerten. Auf dieser Basis können die Städte ihre Innenstadtlogistik-Konzepte überprüfen und – falls nötig – optimieren. Im Projekt erarbeitet das Forschungsteam hierfür verschiedene methodische Hilfestellungen und Instrumente, die schließlich in Form einer Studie mit Erklärungen und Beispielen veröffentlicht werden. Begleitend zur Projektumsetzung findet außerdem eine Workshop-Reihe für kommunale Vertreterinnen und Vertreter statt. Diese sollen dafür befähigt werden, Datenbestände effektiv zu nutzen sowie innovative Logistikkonzepte selbst planen, bewerten und umsetzen zu können.

Einbezug städtischer Akteure in den Erarbeitungsprozess

Die Sammlung, Erhebung und Analyse der Daten erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den drei Beispielstädten Aalen, Heidelberg und Stuttgart. Ziel ist es, die Bedarfe und Möglichkeiten der kommunalen Hand frühestmöglich einzubinden und auch auf andere Städte übertragbare Handlungsempfehlungen abzuleiten. Gefördert wird das Projekt über eine Laufzeit von knapp zwei Jahren in der Förderlinie »MobiArch BW (Mobilitätsdatenarchitektur für innovative Anwendungen)« des Landes Baden-Württemberg durch das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg.