Viele Materialien und Komponenten gelten grundsätzlich als kreislauffähig. In der Praxis werden jedoch bislang nur wenige dieser Potenziale tatsächlich genutzt. Doch der Druck steigt: Durch neue regulatorische Anforderungen, Knappheit von Rohstoffen und schließlich den wachsenden Erwartungen von Kundinnen und Kunden an transparenten und nachhaltigen Produkten, stehen Unternehmen vor der Aufgabe ihre Produkte und Prozesse anzupassen. Das Projekt »SOLVE« des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP, des Instituts für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT) der Universität Stuttgart sowie weiteren Partnern aus Industrie und Forschung in Deutschland, Österreich, Schweden und Südkorea arbeitet hierfür an einem praxistauglichen Ansatz. Mit diesem können Unternehmen zukünftig die ökologische Wirkung, die technische Machbarkeit und die wirtschaftliche Tragfähigkeit kreislauforientierter Strategien bewerten.
»Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sogenannte Circular Value Creation Networks aufgebaut und betrieben werden können – also Netzwerke aus Herstellern, Zulieferern, Logistikunternehmen, Servicepartnern und weiteren Akteuren, die gemeinsam eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ermöglichen«, erklärt Dr. Lukas Block, Teamleiter »Mobility Transformation« am Fraunhofer IAO.
Die internationale Partnerschaft bündelt entscheidende Kompetenzen: das Fraunhofer IAO, das Fraunhofer IBP, das IAT der Universität Stuttgart, die KTH Royal Institute of Technology und die Universität Graz entwickeln Methoden für kreislauforientierte Wertschöpfungsnetzwerke, die FLAVIA IT in eine Softwareplattform überführt. Die Industriepartner Hyundai Motor Europe Technical Center GmbH, Hyundai Motor Company, AVL List GmbH, UP Designstudio GmbH und Hermann Bock GmbH bringen Daten, Praxiserfahrung und Anwendungsfälle aus Automobilbau und Gesundheit ein. So entstehen Lösungen, die über Länder-, Branchen- und Marktgrenzen hinweg einsetzbar sind.
Werkzeuge für Unternehmen
Im Projekt entstehen Methoden, Modelle und digitale Werkzeuge, die Unternehmen bei der Entwicklung und Steuerung kreislauffähiger Wertschöpfungsnetzwerke unterstützen. Die Ergebnisse werden in mehreren Anwendungsfällen demonstriert und validiert. Dazu zählen unter anderem Lösungen für Fahrzeugsitze, Batteriegehäuse, Fahrzeugdesign sowie Pflege- und Gesundheitsbetten. Damit adressiert SOLVE sowohl industrielle Kernbranchen als auch gesellschaftlich besonders relevante Bereiche wie das Gesundheitswesen.
Das Verbundprojekt SOLVE leistet damit einen wichtigen Beitrag, die Kreislaufwirtschaft in der industriellen Praxis von einem oft isolierten Recyclingansatz hin zu einer umfassenden, wirtschaftlich tragfähigen Wertschöpfungslogik weiterzuentwickeln. Unternehmen erhalten dadurch bessere Entscheidungsgrundlagen, um Investitionen gezielt einzusetzen, neue Service- und Geschäftsmodelle aufzubauen und regulatorische Anforderungen frühzeitig zu erfüllen.