#my_new_normal

»Ich hole mir die ›süßen‹ Momente einfach nach Hause«

© Fraunhofer IAO, Portraitzeichnung: Bernd Schifferdecker
Anja Krüger, Teamleitung Personal- und Reiseverwaltung

Anja Krüger ist positiv überrascht, wie reibungslos der Umstieg ins Homeoffice verlief.  

Ich bin immer noch fasziniert davon, wie schnell sich das komplette Institut ohne Vorlaufzeit auf die Arbeit im Homeoffice umstellen konnte und wie gut das in allen Bereichen funktioniert. Anfangs war es für mein Team und mich eine große Herausforderung, uns neu aufzustellen und unsere Arbeit über die neuen Tools zu koordinieren. Aber alle waren sofort bereit, sich auf die neue Situation einzustellen, und haben an einem Strang gezogen. Trotz der Umstellung haben wir so viel geschafft: Wir haben neue Mitarbeitende eingestellt und gemeinsam mit verschiedenen Beteiligten an neuen digitalen Prozessen gearbeitet. So können wir viele Formalitäten rund um Neueinstellungen und Austritte aus dem Institut jetzt online abwickeln. Das macht mich stolz, insbesondere, weil wir trotz allen organisatorischen und technischen Hürden zu jeder Zeit alle Aufgaben und Dienstleistungstätigkeiten für die Mitarbeitenden erfüllen konnten.

Auch für mich persönlich hat die Umstellung wunderbar funktioniert. Das Arbeiten von zuhause hat meine Lebensqualität gesteigert und so manches möglich gemacht, was zuvor undenkbar gewesen wäre. Als Mitglied in der Corona-Taskforce, Projektmitverantwortliche sowie Lead-Key-Userin für den Bereich Personaladministration zur Einführung von SAP hat sich mein Aufgabenbereich um spannende Themen erweitert. Das war aber oft sehr herausfordernd wegen der vielen Meetings, die auch mal parallel stattfanden. Das hätte im normalen Büroalltag niemals so effektiv funktioniert.

Mir ist jedoch aufgefallen, wie wichtig es mir ist, die anderen Beteiligten sehen zu können. Ich freue mich daher immer sehr über jeden Anruf mit eingeschalteter Kamera – so lässt es sich einfach persönlicher kommunizieren. Vor Corona kannte ich nahezu jedes Gesicht am Institut, entweder durch den Onboarding-Prozess oder durch die netten, zufälligen Begegnungen auf dem Campus. Auch wenn beispielweise meine »Naschschublade« im Büro leer war und ich auf dem Weg zum Süßigkeiten-Automaten oder in der Kantine andere Kolleginnen und Kollegen getroffen habe, habe ich mich über diesen kurzen Austausch – diese »süßen« Begegnungen – immer sehr gefreut. Deshalb habe ich mir zuhause eine kleine Dose mit Süßigkeiten neben den Laptop gestellt und hole mir die »süßen« Momente einfach nach Hause. Manchmal brauche ich aber auch »Nervennahrung«, um neue Kraft zu tanken und mit Vollgas weiterarbeiten zu können.

Manchmal brauchen auch die Nerven Nahrung.
Mit dieser »tatkräftigen« Unterstützung klappt es im Homeoffice umso besser.

»Das Gefühl, etwas wirklich Wichtiges umzusetzen, hat mich in eine ›Can-Do‹-Stimmung versetzt.«

© Fraunhofer IAO, Portraitzeichnung: Bernd Schifferdecker
Carsten Schmidt, Business Performance Management

Carsten Schmidt hat den fraunhoferweiten Rollout von Office 365 mitbetreut. 

Das Fraunhofer-Motto »Geht doch!« spiegelt für mich gut die Stimmung, die mein Leben im Lauf des letzten Jahres geprägt hat. Die Coronakrise hat mich sowohl beruflich als auch privat in vielerlei Hinsicht bewegt – durchaus auch im positiven Sinne! Der Lockdown Mitte März hat meine Familie näher zusammengerückt. Wir sind für über drei Monate in das Haus meines Vaters gezogen, bevor wir unser neues Heim beziehen konnten. Anders hätten wir Arbeit, Betreuung und Hausbau nicht unter einen Hut bekommen. Während meine Frau und ich im großen Arbeitszimmer mit Noise-Cancelling-Kopfhörern Seite an Seite arbeiteten, kümmerte sich mein Vater um unsere 4-jährige Tochter – und sie sich um ihn. Wir konnten gemeinsam essen, die Tochter in Gummistiefeln durch den Garten spazieren und auf dem Trampolin springen sehen und uns jederzeit helfen und absprechen.

Beruflich habe ich den fraunhoferweiten Launch eines Systems zur virtuellen Zusammenarbeit mitbetreut. Das war für mich sehr spannend, da ich aufgrund meiner wissenschaftlichen Tätigkeit zum Thema virtuelle Kollaboration in einer Art Sonderrolle hinzugezogen wurde und plötzlich sehr in operative Fragestellungen eingebunden war. Nachdem ich anfangs noch der Skeptiker im Team war und darauf drängte, lieber noch mit der Einführung zu warten, wurde mir angesichts der sprunghaft steigenden Nutzung z. B. von WebEx und Teamviewer bewusst, dass wir ohne das neue System nicht mehr arbeitsfähig sein würden – es waren ja so gut wie alle Kollegen im Homeoffice. So kamen wir im Projektteam ziemlich spontan zu dem Entschluss, den Rollout innerhalb weniger Tage umzusetzen. Wir haben alles andere stehen und liegen gelassen und das System in einer Art »We-can-do-it«-Stimmung binnen weniger Tage an den Start gebracht. Die Nutzerzahlen sind explodiert, die Resonanz und Dankbarkeit war enorm. Ich hatte auch schon vor diesem Projekt vorwiegend virtuell mit externen und internen Partnern zusammengearbeitet, aber einen solchen Einsatz für ein gemeinsames Ziel habe ich vorher noch nie erlebt. Das Gefühl, etwas wirklich Wichtiges und Sinnvolles umzusetzen, hat mich und das ganze Team beflügelt. 

Während der Großvater die Tochter beschäftigt (oder andersrum), kann sich Carsten Schmidt auf seine Arbeit konzentriert.

»Jetzt oder nie!«

© Fraunhofer IAO, Portraitzeichnung: Bernd Schifferdecker
Sonja Stöffler, Mobility Ecosystems

Sonja Stöffler nimmt Online-Unterricht bei einer dreifachen Tanzweltmeisterin aus Peru

Das Jahr 2020 ist für mich alles andere als gut gestartet. Ich hatte gleich vier schwere Krankheiten hintereinander, die alle hätten schlimm ausgehen können. Zwar habe ich noch immer mit den Spätfolgen zu kämpfen, aber ich habe alle gut überstanden. Das hat meine Sicht auf die Dinge und das Leben insgesamt verändert. Mir wurde bewusst, was wirklich wichtig ist, also habe ich mir vorgenommen, Sachen zu machen, die ich mir schon immer gewünscht habe.

Als ich dann für ein CityLab-Projekt eine Reise in mein Heimatland Peru geplant habe, fand ich heraus, dass meine Lieblingstänzerin Gisela Gonzales, dreifache Weltmeisterin im peruanischen Nationaltanz »Marinera«, im Wohnort meiner Familie eine Tanzschule betreibt. Da dachte ich: Jetzt oder nie! Jetzt erfülle ich mir einen Kindheitstraum und nehme Tanzunterricht! Doch dann kam Corona und der Lockdown, die Reise musste ausfallen.  

Zum Glück hat die Tanzschule auf digitalen Unterricht umgestellt. Also habe ich sie kontaktiert und nehme seitdem Privatstunden: zuhause per Live-Unterricht aus Peru. Da mein Wohnzimmer nicht genug Platz bietet, gibt es für meine schaulustigen Nachbarn jetzt wöchentliche Gratistanzvorführungen im Hausflur. Für »Marinera« benötigt man nämlich viel Bewegungsfreiraum. Der Tanz erzählt die Geschichte von zwei Menschen, die sich ineinander verlieben, und ist in drei Abschnitte unterteilt. Der erste beginnt mit einer Art Spaziergang, bei dem sich die beiden kennenlernen und annähern. Die Frauen tragen dabei sehr große Röcke und haben ein Taschentuch in der Hand, das ihren Gesten noch mehr Kraft verleiht. Eigentlich benutzt man dafür ein besonderes besticktes Stofftuch. Aber in Peru wird auch viel in Restaurants getanzt oder auf Familienfeiern und die Frauen greifen dann auch einfach mal zur Serviette.

Das Tanzen gibt mir Kraft – sowohl mental als auch körperlich. Corona hat das für mich möglich gemacht, nicht nur im Hinblick auf den digitalen Unterricht, sondern auch durch die zeitliche Flexibilität, die das Homeoffice bietet.

Weltmeisterin Gisela Gonzales tanzt die Bewegungen in ihrem Tanzstudio in Peru vor.
Sonja Stöffler übernimmt die vorgezeigten Übungen und ihre Lehrerin kann zuschauen und korrigieren.
»Da mein Wohnzimmer den Platz nicht hergibt, gibt es jetzt für schaulustige Nachbarn wöchentliche Gratistanzvorführungen im Hausflur.«

»Die Jogginghose, mein ›casual‹ Begleiter im Homeoffice.«

Dr. Christoph Sebald, Urban Data and Resilience

Christoph Sebald arbeitet als GIS-Projektmanager und hat einen Data Hub für Baden-Württemberg entwickelt.  

Als es mit Corona Mitte März losging, war ich einerseits froh, dass ich nicht nur von zu Hause aus arbeiten konnte, sondern sogar musste. Anders hätte ich Job und Familie gar nicht unter einen Hut bringen können, da meine Frau sich zu dieser Zeit auch regelmäßig ärztlichen Behandlungen unterziehen musste und wir ein schulpflichtiges und ein Kleinkind zu betreuen hatten. Im Homeoffice ist man ja immer erreichbar, sowohl für die Familie als auch online für den Arbeitgeber. Diese Doppelrolle hat mich an meine Belastungsgrenze gebracht und mir gezeigt: wenn ich nicht auf mich selbst aufpasse, leidet mein Umfeld. Phasenweise kam ich nicht mal dazu, aus meiner Jogginghose in eine schickere Hose zu schlüpfen.

Ich habe in dieser besonders herausfordernden Zeit gelernt, besser auf mich selbst zu achten, Grenzen zu ziehen, Prioritäten zu setzen und konsequenter für meine eigenen Interessen einzustehen. So sage ich z.B. manche Meetings ab, lasse Mails auch mal ein bisschen länger liegen oder reagiere nicht sofort auf jede Nachricht, die auf den vielen verschiedenen Kanälen aufploppt. Lieber kläre ich in wenigen, gut strukturierten Meetings die wesentlichen Punkte als dieselben Dinge immer wieder neu zu diskutieren. Das ist für mich auch eine Frage der Rücksicht in der Zusammenarbeit zwischen Menschen, gerade in den momentan besonderen Umständen. Und um 19 Uhr beginnt die reine »Familienzeit«, die Kinder werden in Ruhe zu Bett gebracht und alles andere abgeschaltet. 

Zwischen Meetingwechseln und Windelwechseln: Zuhause wird es nie langweilig.

»Ich habe immer gewusst, dass das mal noch für etwas gut ist«

© Fraunhofer IAO, Portraitzeichnung: Bernd Schifferdecker
Carolina Sachs, Mobility Ecosystems

Carolina Sachs muss zwischen Kinderdisco und Akquisegespräch ein neues Familienleben managen.

Das vergangene Jahr hat unser Familienleben völlig verändert. Fast alles hat sich ja zuhause abgespielt. Zunächst, als die Kinder noch in die Schule gehen konnten, waren nur mein Mann und ich zuhause. Wir konnten uns zwar gut im Haus verteilen, haben uns aber dafür manchmal fast den ganzen Tag nicht gesehen. Per Smartphone haben wir uns dann zu gemeinsamen Café-Pausen verabredet und sind abends regelmäßig spazieren gegangen. Als die Schulen schlossen, brauchten auch die zwei Kinder ruhige Orte für Videocalls und zu Beginn noch Hilfe mit der Technik. Das war dann eine andere organisatorische Hausnummer: Wer hat wann ein Online-Meeting und benötigt ein Headset, wer braucht Hilfe, wer kümmert sich um die Kinder, wer kann kochen und was essen wir heute überhaupt?

Besonders an den Kindern habe ich gemerkt, dass die viele Zeit zuhause auf Dauer belastend sein kann. Wenn Schwimmen, Tanzen, Hockey und Freunde plötzlich wegfallen, muss man sich andere Dinge einfallen lassen. Wir veranstalten zum Beispiel regelmäßig Home-Diskos, auch mal online mit Freunden zusammen. Die ganze Familie ist sehr tanzbegeistert, wir haben schon ein paar eigene Choreografien. Im Sommer haben wir zum Beispiel versucht, ein bisschen Strandflair in den Garten zu bekommen. Die Kinder haben Cocktails gemacht, Sonnenschirme und Liegen aufgestellt. Manchmal spielen sie auch Hotel oder Restaurant. Die Umstellung auf Homeschooling war anfangs nicht so leicht für sie. Ihnen fehlen die gewohnte Lernumgebung und der tägliche soziale Kontakt zu ihren Klassenkameraden und Freunden. Jetzt läuft alles größtenteils papierbasiert ab. Sie sitzen zuhause vor einem Blatt Papier und können weder ihre Mitschüler oder die Lehrer spontan fragen, wenn sie nicht weiterkommen. Auch wenn Sie das Lernen zuhause inzwischen prima meistern, gibt es vereinzelt noch Tage, an denen das Ausfüllen eines einzigen Arbeitsblatts zum Kampf wird. Früher war das ja normal, da haben wir den ganzen Tag nur Blätter und Bücher gewälzt. Die sind übrigens sehr praktisch: Auf der Suche nach einer geeigneten Laptop-Erhöhung bin ich auf ein dickes Buch aus meiner Studienzeit gestoßen und dachte mir: Ich habe immer gewusst, dass das mal noch für etwas gut ist.

»Wenn du schick für ein Online-Akquise-Gespräch sein musst, eigentlich Sport machen wolltest und deiner Tochter versprochen hast, sie von der Schule abzuholen...«
Homeoffice oder Homeschooling? Auf jeden Fall »home«.
Online-Tanzunterricht von zuhause fürs zuhause.

»Ich liebe Performance-Optimierung«

© Fraunhofer IAO, Portraitzeichnung: Bernd Schifferdecker
Damian Kutzias, Digital Business Services

Damian Kutzias, versucht in jeglicher Hinsicht, das Beste aus einer Situation zu machen – ob bei der Arbeit oder beim Einkaufen.

Das Arbeiten im Homeoffice ist für mich ein zweiseitiges Schwert. Wenn man allein wohnt, kann es sich sehr einsam anfühlen. Ich vermisse den Kontakt zu meinen Team-Kollegen, wir sind mittags sehr oft gemeinsam essen gegangen. Ich war auch immer viel auf Messen oder Veranstaltungen unterwegs, bin viel gereist, habe Vorträge gehalten oder Hackathons moderiert – ich war immer viel im persönlichen Austausch mit Menschen. Dieser Teil ist nun weggefallen. Zwar halte ich auch digitale Vorträge, aber das Kennenlernen und Knüpfen von neuen Kontakten ist schwieriger geworden. Ich war früher viel bei Kunden vor Ort, wenn ich beispielsweise an Maschinen arbeiten musste. Wenn man sich persönlich kennt, hat man eine ganz andere Verbindung zueinander, die Projekte gehen einfacher von der Hand. Das hat Auswirkungen auf das Projektmanagement und auch auf die Kundenakquise. Bei Live-Vorträgen sind danach immer Menschen auf mich zugekommen und haben Fragen gestellt oder ein Gespräch gestartet. Bei digitalen Vorträgen kommt am Schluss oft nur noch die Frage »Bekommen wir die Folien?«. Das ist deprimierend. Ich glaube, die Leute trauen sich nicht, vor den anderen Zuhörern eine Frage zu stellen, die sie unter vier Augen eher geäußert hätten.

Unterm Strich sehe ich mich aber als Corona-Gewinner. Ich liebe Performance-Optimierung und Corona hat dazu einiges beigetragen. Es gab Phasen, an denen ich an sechs Projekten gleichzeitig gearbeitet habe. Das wäre zuvor nicht möglich gewesen. Zusätzlich konnte ich auch noch meine Dissertation vorantreiben. Ich kann meine Pausen jetzt individueller gestalten, habe mir zuhause ein eigenes Fitness-Studio eingerichtet und spare mir fünf Stunden Anfahrt ins Büro pro Woche. Ich bin froh über jede Zeitersparnis, vor allem bei Dingen im Alltag, die keinen Spaß machen wie Einkaufen. Vor Corona habe ich meine Lebensmittel immer online bestellt. Auf diese Idee sind aber inzwischen mehr Leute gekommen, sodass viele Produkte häufig ausverkauft waren. Also gehe ich jetzt wieder in den Supermarkt. Damit ich in dieser Zeit das Maximale herausholen kann, nehme ich große Packungen mit, zum Beispiel fünf Kilogramm Nudeln. Für die Zukunft kann ich mir gut vorstellen, drei Tage pro Woche von zuhause aus zu arbeiten, um richtig Gas geben zu können, und zwei Tage im Büro, um mich mit meinen Kollegen auszutauschen. 

Es findet jetzt alles zuhause statt, auch der Sport. »Dafür kann ich jetzt öfter trainieren, denn ich spare mir die Anfahrtszeit und das Packen.«
Performance-Optimierung beim Einkaufen: Ein Maximum an Ausbeute für ein Minimum an Zeitaufwand.