Digitales Partnernetzwerk für adäquate Versorgung von Patienten

ProDigA
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Fraunhofer IAO entwickelt im Projekt »ProDigA« Geschäftsmodelle für Gesundheitsdienstleister

Daten und Digitalisierung eröffnen im Gesundheitssektor riesige Chancen, speziell für Menschen, die aufgrund ihres Krankheitsbilds sehr individuell und dynamisch versorgt werden müssen. Im neu gestarteten Projekt »ProDigA« entwickelt das Fraunhofer IAO unter Leitung des Saarbrücker Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) sowie mit weiteren Partnern ein digitales Interaktionssystem für Gesundheitsdienstleister.

Der technologische Fortschritt und die digitale Vernetzung verändern unsere Arbeitswelt auf verschiedenen Ebenen. Immer mehr Daten liegen digital vor und dank immer besseren Algorithmen sowie Auswertungsmöglichkeiten eröffnen sich speziell im Gesundheitswesen riesige Potenziale. Diese möchte das Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF im Forschungsschwerpunkt »Zukunft der Arbeit: Arbeiten an und mit Menschen« heben und fördert daher mit rund 1,9 Millionen Euro das Vorhaben »Versorgungsprozesse digital unterstützen für die Gestaltung guter Interaktionsarbeit (ProDigA)«, an dem das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO beteiligt ist.

Digitale Hilfe ermöglicht die dynamisch angepasste Versorgung von Patienten

Konkret geht es in dem Vorhaben darum, mittels neuer digitaler Prozesse und Technologien Menschen mit komplexen neurologischen Erkrankungen wie einem Schlaganfall oder Multipler Sklerose qualitativ hochwertig zu versorgen. Diese Patientengruppe benötigt einen besonders intensiven Austausch mit den am Versorgungsprozess beteiligten Dienstleistern. Hilfs- und Heilmittel, benötigte Medikamente, therapeutische Angebote sowie haushaltsnahe Dienstleistungen verändern sich aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen im Krankheitsverlauf ständig und müssen kontinuierlich der aktuellen Situation angepasst werden. Da ein solches Zusammenspiel nicht von einem einzigen Dienstleister allein erbracht werden kann, trägt auch die Interaktion der einzelnen Dienstleister entscheidend zur Versorgungsqualität bei. Es bedarf einer interdisziplinären Zusammenarbeit verschiedener Fachkräfte, die sich mit dem Patienten und untereinander austauschen, um Fehl- oder Doppelversorgung zu vermeiden.

Eine Plattform soll die Kommunikation zwischen den einzelnen Dienstleistern erleichtern

Ziel des Forschungsprojekts »ProDigA« ist es deshalb, ein onlinebasiertes Versorgungsnetzwerk aufzubauen, in dem die unterschiedlichen Dienstleister, Fachkräfte und Patienten über einen Koordinator verbunden sind. Dadurch wird die Interaktion der beteiligten Akteure gefördert und erweitert. »Wir bringen unsere Kompetenzen und methodischen Stärken zur vernetzten Geschäftsmodellentwicklung ein und können dabei auf unsere jüngsten Erfahrungen aus dem Verbundprojekt INDiGeR zurückgreifen«, sagt Forschungsgruppenleiterin Inka Woyke vom Fraunhofer IAO, deren Team sich mit der Fragestellung befasst, wie sich Geschäftsmodelle einzelner Akteure, die unabhängig voneinander Leistungen erbringen, verändern müssen, um gemeinsam und vernetzt zusammenzuarbeiten. Die entstehende digitale Plattform ermöglicht den beteiligten Dienstleistern z.B. den Zugriff auf Daten zur konkreten Versorgungssituation und Präferenzen ihrer Patienten. So kann eine Über- oder Unterversorgungen bis hin zur falschen Hilfsmittelversorgung vermieden werden. Dank der Vernetzung der handelnden Akteure kann beispielsweise eine geplante Elektrorollstuhlversorgung durch Versorger A mit einer weiteren geplanten Hilfsmittelversorgung im Bereich der Kommunikationshilfen durch Versorger B abgestimmt werden, weil beide Hilfsmittel gleichzeitig genutzt werden sollen und komplex eingesetzt werden. Zusätzlich können dann die therapeutischen Ergebnisse der Ergo- und Physiotherapie in die Versorgung einfließen. Gleichzeitig können sich die Patienten stärker in den Aufbau ihres individuellen Dienstleistungsnetzwerks einbringen, was zur Förderung ihrer Autonomie und Selbstständigkeit beiträgt. Die aktuelle Coronakrise zeigt, wie wichtig dieser Digitalisierungsprozess im Versorgungsnetzwerk von Patienten ist, die mehr denn je auf eine funktionierende Abstimmung über die Distanz angewiesen sind.