Mobiles Innovationslabor für ländliche Räume von der OECD ausgezeichnet

Social Foresight Lab

 

Das CeRRI des Fraunhofer IAO bietet mit dem Social Foresight Lab einen Innovationsraum zur partizipativen Entwicklung ländlicher Regionen an

Das vom Center for Responsible Research and Innovation (CeRRI) des Fraunhofer IAO entwickelte »Social Foresight Lab« wurde von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) als Innovation im öffentlichen Sektor ausgezeichnet. Entstanden ist das Lab im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts »Horizonte erweitern – Perspektiven ändern«. Als mobiler Raum für Partizipation und Wissenstransfer kam das Lab bisher in Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein erfolgreich zum Einsatz.

Großstädte und Metropolregionen gelten als Innovationstreiber, ländliche Räume hingegen als wenig innovativ. Innovationen, die ihren Ursprung im Urbanen haben, werden häufig auf die ländlichen Regionen übertragen. Es gibt dort jedoch sehr spezifische Herausforderungen und Chancen, die eigene Lösungen erfordern und ermöglichen. Um ländliche Räume zu stärken und als Innovationsräume zu positionieren, sind daher spezifische Lösungsansätze erforderlich. Vor diesem Hintergrund hat das Center for Responsible Research and Innovation (CeRRI) des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO im Rahmen des Forschungsvorhabens »Horizonte erweitern- Perspektiven ändern« das Social Foresight Lab entwickelt.

Im Social Foresight Lab werden Innovationen vor Ort gemeinsam entwickelt

Die Idee des Social Foresight Lab ist es, die Zukunft ländlicher Räume mit den Betroffenen zusammen zu gestalten und dabei passgenaue Innovationen zu entwickeln. Hier werden die jeweiligen regionalen Bedarfe sowie bereits bestehende regionale Innovationssysteme in Augenschein genommen und ausgehend davon gemeinsam mit den Beteiligten an passenden Lösungsansätzen gearbeitet. Diese Methode kombiniert Technologie- und Gesellschaftsvorausschau, Bedarfsanalyse und Strategieentwicklung.

Das Vorgehen basiert auf der Annahme, dass der Innovationsprozess nur dann erfolgreich verläuft, wenn die Zivilgesellschaft, die von den gesellschaftlichen Herausforderungen betroffen ist, bei der Entwicklung der Lösungen mit einbezogen wird. Speziell in ländlichen Räumen mit regionalen Besonderheiten initiiert dieser partizipative Ansatz neue Kooperationen zwischen regionalen Akteuren. Zudem können technologische und soziale Innovationen passgenau in die regionale Entwicklung integriert werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Social Foresight Labs ist es, die Idee wechselseitigen Lernens und Experimentierens auf Technologietransferprozesse zu übertragen. Vielfältige Akteure experimentieren mit zukünftigen Lösungen, welche technologische und soziale Innovation verknüpfen.

Über Zukunftsparcours und Zukunftsspiel zu Innovationspotenzialen ländlicher Räume

Im Mittelpunkt des Social Foresight Labs stand ein neuartiges, partizipatives Workshopformat, das in den drei Modellregionen Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein durchgeführt wurde. In dem vom CeRRI des Fraunhofer IAO und dem Fraunhofer INT entwickelten Konzept durchliefen insgesamt knapp 70 Teilnehmende einen Zukunftsparcours mit 12 thematischen Stationen und absolvierten ein eigens entwickeltes Zukunftsspiel, in dem sie Missionen zur Gestaltung der Region bestritten. Die Teilnehmenden wurden mit fiktiven Zukunftslösungen in Form von spekulativen Designobjekten konfrontiert und durch visuelle und narrative Komponenten in die Lage versetzt, Vor- und Nachteile der Zukunftslösung zu formulieren sowie Akzeptanzschwellen auszuloten. An den Workshops nahmen Beteiligte mit unterschiedlichen Hintergründen und Perspektiven teil und konnten dabei Potenziale, Herausforderungen und Chancen ihrer Region diskutieren.

Drei Zukunftsbilder und Narrative zu möglichen Zukünften ländlicher Räume bildeten die diskursiven Leitplanken für die Workshops. Diese Leitbilder, welche die Dynamiken und Wechselwirkungen gesellschaftlicher und technologischer Entwicklung aufgreifen, wurden gemeinsam mit Vordenker*innen ländlicher Räume entwickelt und durch eine Technologievorausschau des Fraunhofer INT konkretisiert.

Die in den Workshops ermittelten Bedarfe werden in der letzten Phase des Social Foresight Labs in Forschung und Politik transferiert. Dazu werden sie in Tools zur Strategieentwicklung übersetzt, und im Dialog mit Expertinnen und Experten aus Forschung und Politik Umsetzungsprojekte entwickelt.