Robotik für den Menschen

Mensch-Roboter-Kollaboration gestalten – Aufgaben des Menschen erhalten

Wie Mensch-Roboter-Arbeitsplätze mitarbeiterzentriert gestaltet werden können, stellen die beiden Forschungsprojekte SeRoDi und AQUIAS in ihrer gemeinsamen Abschlusstagung vor. Demonstratoren für die stationäre Pflege sowie die Industrierobotik zeigen, wie das Gestaltungsziel »Robotik für den Menschen« konkret umgesetzt werden kann.

Während im Projekt AQUIAS Mensch-Roboter-Arbeitsplätze für schwerbehinderte Produktionsmitarbeitende in der Montage und Qualitätskontrolle gestaltet wurden, entwickelte das Projekt SeRoDi Serviceroboter zur Unterstützung von Pflegekräften in Krankenhäusern und Altenheimen. Beide Projekte konnten das Ziel umsetzen, dass Roboter den Menschen in seiner Arbeit wirkungsvoll unterstützen. Nur körperlich oder psychisch belastende Aufgaben wandern vom Menschen zum Roboter. Alle weiteren Aufgaben verbleiben beim Menschen und sichern so den Erhalt abwechslungsreicher Arbeitsanforderungen sowie den Erhalt der Tätigkeit als solcher.

Teilhabe durch Robotik in der Produktion: Projekt AQUIAS

Um breiten Beschäftigtengruppen die Teilhabe an attraktiver Arbeit in der Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) zu erschließen, ging das Projekt AQUIAS einen besonderen Weg: Im ersten der beiden Pilotbereiche wurde der mobile Produktionsassistent »APAS assistant« der Bosch-Gruppe in der Integrationsfirma ISAK gGmbH eingesetzt. In diesem Unternehmen arbeiten schwerbehinderte Produktionsmitarbeiter mit sehr individuellen Leistungseinschränkungen in der Montage. »Ziel war es, den MRK-Arbeitsplatz so zu gestalten, dass nur ergonomisch belastende Aufgaben vom Mitarbeiter zum Roboter wandern. Alle anderen Aufgaben bleiben beim Menschen«, erklärt David Kremer, der das Projekt AQUIAS koordiniert. Im zweiten Pilotbereich setzte Bosch den mobilen Produktionsassistenten »APAS assistant« in der eigenen Produktion ein. Hier unterstützte der Roboter die anspruchsvolle Handhabung und Qualitätsprüfung schwerer Aluminiumblöcke. Zielgruppe waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit und ohne Leistungseinschränkungen. Die Erfahrungen aus dem ersten Pilotbereich der Firma ISAK flossen hier ein.

Servicerobotik zur Unterstützung in der Pflege: Projekt SeRoDi

Die stationäre Pflege leidet ganz besonders unter den Folgen des demographischen Wandels. Immer mehr älteren und pflegebedürftigen Menschen stehen immer weniger potenzielle Nachwuchskräfte gegenüber. Langzeiterkrankungen und eine hohe Fluktuation des Personals sind bereits heute die Folgen. Im Rahmen des Projekts »Servicerobotik zur Unterstützung bei personenbezogenen Dienstleistungen (SeRoDi)« wurde deshalb an neuen Service-roboterlösungen gearbeitet, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Pflegebereich körperlich und informatorisch entlasten sollen.

Zu diesem Zweck entwickelten die Projektpartner zwei neue Roboterlösungen, die in jeweils zwei mehrwöchigen Testphasen in einem Krankenhaus sowie zwei Altenheimen getestet wurden. Der »intelligente Pflegewagen« navigiert autonom, das heißt, die Pflegekraft kann ihn per Smartphone an den gewünschten Einsatzort bestellen und er fährt dann selbstständig dort hin. Über den integrierten Touchscreen kann das Personals einfach dokumentieren, welche Pflegeutensilien entnommen wurden. Ebenfalls getestet wurde der »robotische ServiceAssistent«. Er kann mit verschiedenen Snacks und Getränken befüllt werden und diese Bewohnern oder Patienten anbieten. Dies entlastet nicht nur das Pflegepersonal, sondern fördert auch die Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen.

Abschlusstagung zeigt Zukunftspotenzial der Mensch-Roboter-Zusammenarbeit auf

Die gemeinsame Abschlusstagung der Forschungsprojekte SeRoDi und AQUIAS fand am 25. September 2018 am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart statt. Neben den Vorführungen mehrerer Demonstratoren für Mensch-Roboter-Arbeitsplätze vermittelten Vorträge aus beiden Projekten, unter welchen Bedingungen Mensch-Roboter-Kollaboration ein Gewinn für die Beschäftigten ist. In einer Podiumsdiskussion bewerteten Experten die Zukunftsszenarien beider Projekte und diskutierten die Potenziale, die der Robotereinsatz in Industrie und stationärer Pflege für Beschäftigte, Arbeitgeber und die Gesellschaft bietet.