Kirche in Vielfalt führen

Kirche in Vielfalt fürhren
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Neue Studie gibt Handlungs­empfehlungen zur Steigerung der Vielfalt in der evangelischen Kirche

Wie gelangen mehr Frauen in leitende Positionen in der evangelischen Kirche? Wie kann die Attraktivität von hauptamtlichen Leitungsämtern auf der mittleren Ebene gesteigert werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Studie »Kirche in Vielfalt führen«, die vom Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie in Kooperation mit dem Center for Responsible Research and Innovation (CeRRI) des Fraunhofer IAO durchgeführt wurde.

Erklärtes Ziel der evangelischen Kirche ist es, die gleichberechtigte Rolle von Frauen und Männern in der kirchlichen Wirklichkeit abzubilden. Während im Bereich des ehrenamtlichen Engagements sowie unter den Studierenden der evangelischen Theologie Frauen deutlich stärker vertreten sind als Männer, wird auf der hauptamtlichen mittleren Leitungsebene nur jedes fünfte Amt von Frauen übernommen.

Studie benennt Maßnahmen für eine vielfaltsoffene Leitungskultur

Die Studie »Kirche in Vielfalt führen« identifiziert exemplarisch in fünf Landeskirchen kulturelle Aspekte, die der Entfaltung des Potenzials von Vielfalt derzeit entgegenwirken. Basierend auf einer Kulturanalyse werden zwölf Handlungsempfehlungen abgeleitet, die darauf abzielen, Leitung für Frauen und Männer gleichermaßen zu ermöglichen und die Transparenz auf dem Weg in mittlere Leitungsämter zu stärken. »Die Studienergebnisse zeigen ein großes Potenzial zur Stärkung einer vielfältigen Leitungskultur in der evangelischen Kirche: Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Wegen, ein solches Amt auszugestalten und auszuüben, die nebeneinander existieren. Zudem besteht in der evangelischen Kirche eine ausgeprägte Reflexionskompetenz bezüglich kultureller Fragestellungen. Dennoch besteht noch weiterer Bedarf zur kulturellen und strukturellen Öffnung für Vielfalt«, sagt Florian Schütz, Autor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Center for Responsible Research and Innovation (CeRRI) des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO. So versperren der Studie zufolge noch immer traditionelle Geschlechterstereotype Frauen oftmals den Weg in Führungspositionen. Ihnen werde ein spezifisch weibliches Leitungshandeln zugeschrieben, das mit klaren Rollenerwartungen an weibliche Bewerberinnen verknüpft ist. Der verhältnismäßig geringe Frauenanteil in mittleren Leitungsämtern werde bisher häufig mit familiären Betreuungsverpflichtungen begründet, anstatt die strukturellen und kulturellen Ursachen zu beleuchten.

»Eine große Stärke dieser Studie ist es, dass sie keine Feindbilder pflegt, sondern sehr differenziert hinschaut. Sie hinterfragt stereotype Bilder kritisch, und zwar auf allen Seiten. Sie spielt Männer und Frauen nicht gegeneinander aus, sondern identifiziert sehr genau, wie bestimmte Stereotype im Ergebnis dazu führen, dass Frauen in den Leitungsämtern auf der mittleren Ebene unterrepräsentiert sind und dass auch Männer zum Teil nicht bereit sind, sich für dieses Amt zu bewerben«, sagt der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Dr. Heinrich Bedford-Strohm. Prof. Dr. Martina Schraudner, Leiterin des Centers for Responsible Research and Innovation (CeRRI) des Fraunhofer IAO, sieht im Besonderen in der Zusammenarbeit hauptamtlicher und ehrenamtlicher Beschäftigter in der evangelischen Kirche eine große Chance, um Impulse für den Umgang mit Vielfalt breit in die Gesellschaft zu tragen und Veränderungen anzustoßen.

Die Studie »Kirche in Vielfalt führen« wurde vom Center for Responsible Research and Innovation (CeRRI) des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und in Kooperation mit dem Studienzentrum der EKD für Genderfragen durchgeführt und auf der 12. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Bonn vorgestellt. Sie setzt eine Untersuchung aus dem Jahr 2014 fort, die ergab, dass Positionen in der mittleren Leitungsebene der Kirchen nur zu 21 Prozent von Frauen besetzt sind, obwohl sie ein Drittel der Pfarrstellen innehaben. Die gesamte Studie findet sich zum Download auf www.gender-ekd.de .