Neue Fahrer­assistenz- u. Verkehrs­­management­­­systeme für die Stadt

Sicher und stressfrei durch die Stadt

Wie intelligente und kooperative Systeme den Stadtverkehr zukünftig noch sicherer, wirtschaftlicher und umweltverträglicher machen, erforschen 31 Partner im Verbundprojekt »UR:BAN«, das vom Bundesminis terium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird. Bis Anfang 2016 entwickeln sie neue Fahrerassistenz- und Verkehrsmanagementsysteme für die Stadt. Besondere Beachtung findet dabei der Mensch in seinen vielfältigen Rollen im Verkehrssystem. Frederik Diederichs, der das Projekt am Fraunhofer IAO leitet und zur Mensch-Fahrzeug-Interaktion forscht, beantwortet vier Fragen zur Mobilität der Zukunft:

Welche sind die größten Herausforderungen im Verkehrssystem der Zukunft?

Diederichs: Die größten Herausforderungen sehe ich vor allem im Stadtverkehr. Hier herrscht die höchste Dichte unterschiedlicher Verkehrsteilnehmer. Dies führt zu komplexen, teilweise chaotischen Verkehrssituationen und verlangt dem Menschen und Fahrer sehr viel ab. Zusätzlich erfordern Ampeln, Verkehrsleitsysteme, Navigationssystem und Assistenzsysteme schnelle Reaktionen. Daneben gilt es, viele Informationen und Reize, die nicht fahrrelevant sind, zu verarbeiten oder auszublenden. Technische Unterstützungssysteme haben sich in diesem Kontext bereits bewährt und breiten sich weiter aus.

Welchen Nutzen versprechen Sie sich von Assistenzsystemen im Auto?

Assistenzsysteme werden immer intelligenter und selbstständiger. Sie entschärfen Gefahren im Verkehr und helfen, Unfälle zu vermeiden. Sie sollen Fahrer unterstützen, Grenzbereiche besser zu beherrschen, Gefahren früher zu erkennen und sie entlasten – damit sie sich beim Fahren auf die wesentlichen Dinge konzentrieren können. Wichtig ist, dass Assistenzsysteme intuitiv mit dem Fahrer interagieren. Dazu gehört, dass sie Intentionen erkennen und berücksichtigen. Das ist eines unserer wesentlichen Forschungsfelder für urbane Assistenz, denn Assistenzsysteme, die gegen die Erwartungen der Nutzer handeln, führen zu Frustration und verlängern Reaktionszeiten. Neben Assistenzsystemen im Auto beschäftigen wir uns mit der Interaktion zwischen Autofahrern und Fußgängern und wollen die Sicherheit und das Mobilitätserlebnis aller Verkehrsteilnehmer verbessern.

Kann das Auto mit Hilfe von Assistenten automatisch fahren?

Assistenzsysteme werden in Nachfolgeprojekten von »UR:BAN« ausgebaut, sodass sie Fahraufgaben auch ganz übernehmen können, um die Fahrer zu entlasten. Die Möglichkeit, solche Systeme zu übersteuern oder das Fahrzeug auf manchen Straßenabschnitten manuell zu fahren, ist jedoch wesentlich im automatisierten Auto der Zukunft. Es erscheint auf den ersten Blick paradox, aber mit zunehmender Automatisierung steigen die Anforderungen an die Gestaltung der Mensch-Maschine-Schnittstelle nochmals deutlich.

Welche weiteren Forschungsarbeiten hat das Fraunhofer IAO dazu in den nächsten Jahren geplant?

Die Automatisierung des Individualverkehrs wird sich in zwei Richtungen entwickeln. Dies ist auch unsere Botschaft am »Runden Tisch Automatisiertes Fahren« der Bundesregierung. Im Privat-PKW- sowie im LKW-Bereich wird Automatisierung schrittweise eingeführt. Hierbei ist die Gestaltung der Fahraufgabe sowie fahrfremder Tätigkeiten zentrale Forschungsaufgabe am Fraunhofer IAO. Weiterhin werden autonome Stadtfahrzeuge für Carsharing und Taxi-Dienste stärker in den Fokus rücken. Hierfür entwickeln wir bereits heute Lösungen, die die Interaktion zwischen diesen Roboter-Autos und menschlichen Verkehrsteilnehmern angehen. Die Strategie der Bundesregierung für »automatisiertes und vernetztes Fahren« setzen wir zusammen mit anderen Fraunhofer-Instituten in Funktionen um, die einen hohen Nutzen für die Kunden und ein positives Fahrerlebnis bieten. Unsere Aufmerksamkeit gilt jedoch nicht nur der sensorischen Erfassung der Umwelt. Wir wollen im Projekt »InCarIn« auch besser verstehen, wie Insassen den Fahrzeuginnenraum nutzen und was Fahrer beim automatisierten Fahren machen.