Die Evaluation zeigt, dass das Förderprogramm messbare Effekte entlang der gesamten Wirkungskette von ÖPNV-Attraktivität, über ÖPNV-Mehrnutzung, Pkw-Nutzungsreduktion bis hin zu Emissionsminderungen entfaltet.
»Durch unsere Ergebnisse wird sichtbar, welche Maßnahmen unter realen Bedingungen tatsächlich zu mehr ÖPNV-Nutzung und weniger CO₂e-Emissionen führen. Für Politik und Kommunen ist das ein großer Mehrwert, weil Entscheidungen dadurch nicht nur auf Annahmen beruhen, sondern auf nachweisbaren Wirkungen und tiefgreifendem Wissen. Mit den im Begleitforschungsprojekt entwickelten Methoden und Modellen können wir andere Städte, Verkehrsbetriebe und die Politik gezielt dabei unterstützen, ÖPNV-Maßnahmen zu planen, ihre Wirkung zu prognostizieren, zu evaluieren und Schritt für Schritt wirksam weiterzuentwickeln«, erklärt Nora Fanderl, Teamleiterin »Mobility Ecosystems« am Fraunhofer IAO.
In den Modellprojekten konnte die Attraktivität des ÖPNV entgegen dem rückläufigen Bundestrend stabilisiert und für Nutzende der geförderten Maßnahmen oft sogar deutlich gesteigert werden. Die im Förderprogramm umgesetzten Maßnahmen führen zu einer merklichen Zunahme der ÖPNV-Nutzung, insbesondere dort, wo Verkehrsnetze erweitert, Erreichbarkeit verbessert oder ergänzende On-Demand-Verkehre eingeführt wurden.
Emissionseinsparungen durch Ausbau des ÖPNV
Auf dieser Grundlage belegt die Evaluation, dass durch das Förderprogramm Pkw-Wege in relevantem Umfang auf den ÖPNV verlagert werden. Die damit verbundenen Einsparungen von CO₂e-Emissionen sind deutlich und leisten einen substanziellen Beitrag zu den Klimaschutzzielen im Verkehrssektor. Die Begleitforschung zeigt auch: Die Maßnahmen zur Stärkung des ÖPNV haben den Anstieg der Emissionen im Pkw-Verkehr nach der COVID-19-Pandemie gedämpft. Dabei zeigt sich, dass besonders solche Maßnahmen Emissionsminderungspotenzial bergen, welche die Zugänglichkeit zum ÖPNV strukturell verbessern oder neue, einfach nutzbare Angebote in bisher weniger erschlossenen Gebieten schaffen. Digitale Angebote stärken wiederum die Attraktivität des ÖPNV und senken gezielt Nutzungshürden.
Die Wirkungsanalyse kombiniert tatsächliches Mobilitätsverhalten, Verkehrsmodellierungen und Emissionsberechnungen
Die wissenschaftliche Evaluation des Fraunhofer IAO begleitete den ersten Förderaufruf des Bundesprogramms »Modellprojekte zur Stärkung des ÖPNV«, in dem von 2022 bis 2024 zwölf kommunale und regionale Modellprojekte mit insgesamt rund 200 Millionen Euro gefördert wurden. Die Projekte haben deutschlandweit zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, etwa zur Verbesserung von Angebotsqualität und Verlässlichkeit des ÖPNV mit dichteren Takten und neuen Linien, zur besseren Zugänglichkeit und Netzerweiterung durch neue Haltepunkte und Mobilitätsstationen oder zur Einführung flexibler On-Demand-Verkehre. Ziel der Evaluation war es, das Förderprogramm wissenschaftlich zu bewerten und den Beitrag der Maßnahmen zur Steigerung der ÖPNV-Attraktivität, zur Veränderung des Mobilitätsverhaltens und zur Emissionsminderung systematisch zu erfassen.
Ausblick: Zweiter Förderaufruf und Wissenstransfer für zukünftige ÖPNV-Strategien
Für Verantwortliche in Politik, Kommunen und Verkehrsunternehmen bilden die Evaluationsergebnisse eine wichtige Grundlage, um ÖPNV-Strategien weiterzuentwickeln und so die Basis für wirksame, evidenzbasierte Förderprogramme der Zukunft zu schaffen. Im Rahmen des zweiten Förderaufrufs, welcher ebenfalls durch das Fraunhofer IAO wissenschaftlich begleitet wird, wurden von 2023 bis 2025 weitere Maßnahmen zur Stärkung der Attraktivität des ÖPNV gefördert – dabei lag ein Augenmerk in insgesamt sieben Modellprojekten auf ländlichen Regionen.