Ab November 2026 können Führungskräfte an dem Programm des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO teilnehmen. Erfasst werden unter anderem neurophysiologische und körperliche Reaktionen in Situationen, die Aufmerksamkeit, Belastbarkeit und Entscheidungsverhalten beanspruchen. Im Programm werden solche Situationen trainiert und die kognitive Resilienz gestärkt. Die Veränderungen werden in einem individuellen »Brain Report« gebündelt, der kognitive Stärken, Belastungsmuster und Entwicklungspotenziale einordnet. »Ich bin begeistert von dem Format und habe mich direkt selbst angemeldet«, sagt Katharina Hölzle, Institutsleiterin des Fraunhofer IAO. »Der Cortex Circle setzt bei einer grundlegenden Frage moderner Führung an: Gute Führung bedeutet nicht, dauerhaft an die Belastungsgrenze zu gehen, sondern die eigenen kognitiven Ressourcen zu kennen und bewusst einzusetzen.«
Führung unter hoher Komplexität
Der Cortex Circle richtet sich vorrangig an C-Level-Führungskräfte, also an Entscheidungsträgerinnen und -träger, die an der Unternehmensspitze kontinuierlich komplexe Entscheidungen treffen und Veränderungsprozesse gestalten. Sie handeln unter hohem Zeit-, Verantwortungs- und Leistungsdruck und tragen zugleich die Verantwortung für die Organisation und ihre Mitarbeitenden. Das Programm soll ihnen dabei helfen, das eigene Verhalten unter Druck besser zu verstehen, zu trainieren und daraus Impulse für ihren Führungsalltag abzuleiten. Hintergrund ist die Frage, wie Führungskräfte unter zunehmender Veränderungsdynamik kognitive Belastung wahrnehmen, einordnen und regulieren können.
Neurowissenschaftliche Perspektive auf Führung
Der Cortex Circle ist kein klassisches Führungstraining. Im Mittelpunkt steht nicht die Steigerung von Leistung durch den Einsatz klassischer Führungsinstrumente. Stattdessen vertieft das Programm das Verständnis neurokognitiver Prozesse und zeigt, wie sich daraus Ansatzpunkte für persönliche und berufliche Weiterentwicklung ableiten lassen. Neurotechnologien wie Wearables und Eye-Tracking werden eingesetzt, um individuelle Reaktionen zu messen und zu erleben. Ziel ist es, mentale Belastungsmuster besser einzuordnen, individuelle Ressourcen bewusster zu nutzen und Führungssituationen reflektierter zu gestalten.
Einstiegsmöglichkeiten ab November 2026
Zum Einstieg geben Expertinnen und Experten des Forschungsteams »Applied Neurocognitive Systems« in einem 1:1-Austauschtermin Einblicke in Ablauf, Inhalte und wissenschaftliche Methodik des Programms. Das Team erforscht seit Jahren, wie kognitive Prozesse, Belastung und technologische Unterstützung in Arbeits- und Entscheidungssituationen zusammenwirken. Teilnehmende durchlaufen das Programm über fünf Monate in einer festen Gruppe von fünf bis sieben Führungskräften.