Das Fazit der Studie lautet: Ohne Maßnahmen droht Europa eine dauerhafte Abhängigkeit von Drittstaaten bei Schlüsseltechnologien – mit strategischem Handeln lässt sich jedoch eine wettbewerbsfähige, wertschöpfungsstarke Zukunft gestalten. Eine breit aufgestellte technologische Basis kann dabei zum längeren Erhalt bestehender Produktionsumfänge und zur Abmilderung von Verlusten bei Wertschöpfung und Beschäftigung beitragen.
Die Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO basiert auf vier Szenarien, die unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen zugrunde legen und jeweils spezifische Entwicklungen des Antriebsstrangmixes in Europa abbilden. Im strengsten Szenario der Studie, das von 100 Prozent CO₂-Reduktion ab 2035 ausgeht, könnten europaweit im Bereich Produktion Antriebsstrang bis 2040 rund 726 000 von rund 1,6 Millionen Arbeitsplätzen (-45 %) und rund 95 Milliarden Euro von rund 250 Milliarden Euro Wertschöpfung (-38 %) entfallen. In Deutschland wären insbesondere Zulieferer betroffen, mit einem Rückgang von bis zu 80 Prozent der Wertschöpfung. Eine technologieoffenere Regulierung könnte den Rückgang verlangsamen, aber nicht vollständig verhindern.
Chancen der Transformation: Neue Wertschöpfungsfelder und Innovation
Die Transformation eröffnet auch neue Chancen: Der Hochlauf batterieelektrischer Fahrzeuge, die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle und die Erschließung neuer Märkte bieten Potenziale für Wertschöpfung und Beschäftigung. Entscheidend ist, dass Standortbedingungen wie wettbewerbsfähige Energiekosten, innovationsfreundliche Rahmenbedingungen, ein Abbau von Bürokratie und gezielte Qualifizierungsmaßnahmen geschaffen werden. So können Verluste abgefedert und neue Arbeitsplätze in zukunftsfähigen Bereichen entstehen.
ELAB-Studienreihe des Fraunhofer IAO
Seit über 10 Jahren untersucht das Fraunhofer IAO mit den ELAB-Studien – kurz für »Auswirkungen der ELektrifizierung des Antriebsstrangs auf Beschäftigung und Standortumgebung« – wie Elektromobilität Arbeitsplätze und Standorte verändert und ist damit ein verlässlicher Partner für die Analyse und Begleitung von Transformationsprozessen in der Automobilindustrie. Die erste ELAB-Studie aus dem Jahr 2012 zeigte, dass Beschäftigung bei wettbewerbsfähiger Produktion erhalten bleibt. Die Folgestudie ELAB 2.0 aus dem Jahr 2018 analysierte den Dekarbonisierungstrend und bezog auch Zulieferer ein. Die aktuell vorgelegte Studie ELAB2040 legt den Fokus auf die Auswirkungen, die auf potenziellen regulatorischen Änderungen der aktuellen EU-Gesetzgebung zum Neuzulassungsverbot CO2-ausstoßender Pkw und leichter Nutzfahrzeuge beruhen. Sie liefert erneut eine fundierte Entscheidungsgrundlage für Unternehmen, Politik und Gesellschaft.