Kontakt

  • Wolf Engelbach
    Dr.
    Wolf Engelbach

    Informationsmanagement

    mehr

    Fraunhofer IAO
    Nobelstraße 12
    70569 Stuttgart, Germany

    • Telefon +49 711 970-2128
CRISMA © Sven Grundmann - fotolia.com

Europäisches Forschungsprojekt CRISMA entwickelt Simulationswerkzeug für Krisenszenarien

40 Forscher, Techniker und Anwender aus 17 europäischen Institutionen trafen sich Anfang Juni 2012 am Fraunhofer IAO in Stuttgart im Rahmen des europäischen Projekts CRISMA. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Behörden, Feuerwehr und Rettungskräfte mit Hilfe von Modellierungs- und Simulationslösungen optimal auf Krisen, große Verkehrsunfälle oder Naturkatastrophen vorbereitet werden können.

Erdbeben oder Überflutungen können große Gebiete betreffen und erfordern zeitgleich unter erschwerten Bedingungen zahlreiche Maßnahmen zum Schutz von Menschen, Gebäuden und Infrastrukturen. Auch Chemieunfälle, Waldbrände oder Großschadenslagen bei Großveranstaltungen stellen die Organisationen, die eine solche Krise bewältigen müssen, vor immense Herausforderungen. Die Forschungspartner des EU-Projekts CRISMA (Modelling crisis management for improved action and preparedness), haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, Simulations- und Modellierungslösungen zu entwickeln, die in der Vorbereitung auf Krisensituationen helfen könnten. Im Juni 2012 trafen sich im Rahmen des Projekts rund 40 Forscher, Techniker und Anwender aus 17 europäischen Institutionen am Fraunhofer IAO in Stuttgart.

Das Ziel des vom VTT Technical Research Centre in Finnland koordinierten CRISMA-Projekts besteht darin, die betroffenen BehördenHilfsdienste auf allen föderalen Ebenen sowie öffentliche und private Hilfeleistungsstrukturen durch praktikable und verlässliche Simulationswerkzeuge bei der Vorbereitung auf solche Krisen zu unterstützen und somit die Sicherheit der Bürger in Europa zu verbessern. Dies ermöglicht eine ressortübergreifende Betrachtung bei komplexen Szenarien unter Berücksichtigung der jeweiligen organisationsspezifischen Besonderheiten.

Für die Planung, in Trainingssituationen, zur Begleitung bei Übungen oder zur Nachbereitung realer Ereignisse sollen dafür Informationen über den Verlauf von Katastrophen sowie mögliche Entscheidungen und Maßnahmen zur Katastrophenbewältigung übersichtlich zur Verfügung gestellt werden. Um die Folgen möglicher Maßnahmen in Krisenszenarien besser einschätzen zu können, entwickeln die Projektpartner spezielle Modellierungs- und Simulationstechnologien. Diese unterstützen die beteiligten Organisationen bei der Ausarbeitung der effizientesten Maßnahmen zur Vermeidung von menschlichen Opfern und Sachschäden.

Domino- und Mehrfacheffekte finden dabei ebenfalls Berücksichtigung. Ein Beispiel dafür ist die Bewertung der Auswirkungen von Naturkatastrophen auf das Strom- und Verkehrsnetz sowie andere kritische Infrastrukturen. Das System soll sich sowohl für kurz- und langfristige Planung als auch für Trainingszwecke im Kontext Krisenmanagement eignen.

Das integrierte Modellierungssystem wird den Vergleich von Handlungsalternativen in Krisensituationen sowie die Bewertung der Auswirkungen von Krisenreaktionen, auch in Hinblick auf die entstehenden Kosten, bieten. Folgende beispielhafte Fragestellungen sollen damit beantwortet werden können: Wurde der Ort für geplante Schutzbauwerke richtig gewählt? Welche Evakuierungsmaßnahmen sollen in Betracht gezogen werden?

Der zeitliche Verlauf einer unvorhergesehenen Überschwemmung kann beispielsweise simuliert werden, indem historische Informationen mit Echtzeitdaten verknüpft werden. Dadurch entsteht eine Entscheidungsbasis für Fragestellungen, sei es hinsichtlich der Umsetzbarkeit einer Evakuierungsprozedur, der räumlichen Verbringung von Hilfsgütern oder auch der Wahl des Ortes zur Errichtung zusätzlicher Hochwasserschutzbauten.

Erfolgsentscheidender Faktor des CRISMA-Systems wird es sein, komplexe und unklare Sachverhalte für jene konkreter darzustellen, die in Krisensituationen dafür verantwortlich sind, schwierige Entscheidungen zu treffen. CRISMA hilft uns so zu verstehen, wie verschiedenartige Unfälle und Krisenszenarien Menschen, die Gesellschaft, Infrastruktur, Gebäude, Betriebe und die Wirtschaft beeinflussen.

Die entstehenden Simulationswerkzeuge sollen auch zur Planung der Zusammenarbeit unterschiedlicher Organisationen einsetzbar sein. Gegenwärtig arbeiten entsprechende Systeme der verschiedenen Akteure praktisch unabhängig voneinander. Als Simulationsportal konzipiert, kann das in CRISMA entwickelte Werkzeug Informationen verschiedener Akteure im Krisenmanagement miteinander verknüpfen, erzeugen und visualisieren.

Das CRISMA-Projekt wird vom 7. Rahmenprogramm der Europäischen Union RP7/2007-2013 unter der Bewilligungsnummer 284552 finanziert. Das Gesamtbudget beträgt 14,4 Millionen €, davon werden 10,1 Millionen € von der EU finanziert. Das Projekt endet im August 2015.

Neben dem Koordinator VTT Technical Research Centre of Finland sind die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. (Deutschland), AMRA Analysis and Monitoring of Environmental Risk (Italien), das AIT Austrian Institute of Technology GmbH (Österreich), die Association for the Development of Industrial Aerodynamics (Portugal), die Tallinn University of Technology (Estland) und das Finnish Meteorological Institute (Finnland) als Forschungspartner am Projekt beteiligt.

Das Fraunhofer IAO ist in CRISMA für die Koordination der Anwenderanforderungen zuständig. Dies umfasst z.B. die zu betrachtenden Krisenszenarien oder die Entscheidungskriterien. Zudem entstehen am IAO Modelle zur Entscheidungsunterstützung sowie Konzepte für die anwendungsfreundlichen Benutzerführungen. Die Simulationsergebnisse überprüfen die IAO-Experten in Deutschland anhand von räumlich übertragbaren Szenarien zusammen mit den anderen deutschen Partnern.

Weiterführende Informationen

Lesezeichen setzen bei 
  • TwitThis
  • Facebook
  • Digg
  • del.icio.us
  • Yigg
  • LinkArena
  • Webnews.de
  • stumbleupon
  • tumblr